Lies, damn lies!

Ja, Winston Churchill hatte Recht: Lies, damn lies and statistics.

Ein paar Tage ist es her, da erbarmte sich der Historiker, Arthur-Schlesinger-jr-.Wannabe und Hillary-Fan Sean Wilentz, auf Salon.com eine Meinungskolumne runterzuschreiben, warum Frau Clinton, obwohl weniger Delegiertenstimmen habend, doch eigentlich voll der Gewinnertyp sei. Mit Wahlarithmetik machte er das, mit einem Appell an das vermurkste Vorwahlsystem dieser unserer Demokratischen Partei, mit kreativer Feindbeleidigung (Obama macht’s genauso wie Bush! Buh!) und zielführendem Verve.

Schade war das, denn nach seiner Tirade gegen den Volkeswillen im Namen des Volkes (selbst nach Wilentz’ Rechnung hätte Hillary noch immer rund 90.000 Stimmen weniger als Obama, was seine Beteuerung, man solle doch gefälligst jeden einzelnen Wähler ernst nehmen so etwas makulaturisch erscheinen lässt) kommt das Totschlagargument nicht besonders gut rüber: In den Vorwahlen wird nicht so gewählt wie in den echten Präsidenschaftswahlen, und deswegen sollte man die Vorwahlen mit den Präsidentschaftswahlen konform machen. Nein, kein Schrei mehr wie dereinst von alldemokratischer Seite 2000 nach einer Reform des Systems genau in die andere Richtung. Opportunity knocks, und an der Tür Herr W. mit der Kerze in der Hand.

Wer sich nicht freiwillig und immer wieder gerne mit den Feinheiten amerikanischer Demokratie beschäftigt, dem mag das gern schnurz sein. Phantasiespekulationen aus einem unbekannten Land vor gar nicht allzu langer Zeit.

Doch das Drama entspinnt sich, und ist universell unterhaltend. Nach vielen bösen Kommentaren schreibt nun Brad DeLong, ähnlich eminenter Wissenschaftler auf anderem Gebiet, die Antwort. In nucem: Blödsinn, Sean. Und dabei kaut er ihm noch ein Argument vor, das Hillary um einiges besser aussehen lassen würde als Wilentz’ Verrechnungen.

Schönstes Zitat aus DeLongs Reposte: “She has won fewer pledged delegates. Yet Sean Wilentz writes that she “should be winning.” And in response I say: “Huh?””

Huh in der Tat. Vielleicht sollte sich Wilentz bei Arthur Schlesinger mal ein Zitat abschneiden: “It survived every test but experience.” (The Age of Jackson, S. 521). Weil die Wirklichkeit halt manchmal anders ist als man’s haben will.

Ich warte mit Spannung auf’s Sequel.

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