Exzellenzinitiative lebenoderso.de

Nachdem Herr K. es nun von seiner alma mater verbrieft hat, dass er ein genuiner Wissenschaftler ist, und zudem übers Wochenende noch ein bisschen tiefer in die wunderbare Welt der Tabellenkalkulation und Statistik eingestiegen ist, kommt der Wunsch, diese neuen Erkenntnisse zu einem sinnvollen Ganzen zu verbinden nicht ohne Grund.

Nachdem Herr K. es jedoch auf diesem Blog selten schafft, Dinge zu sinnvollen Ganzen zu verbinden, kommt nach kurzem Nachdenken stattdessen ein Projekt aus seinen Hirnströmen, das versucht, einen Verdacht zu belegen, den ich schon seit 2000 (Napster – erinnert sich noch wer? Schöne Zeiten im Netzwerk eines Münchner Studentenwohnheims…) hege. Darüber hinaus kommt nichts weiteres für die Welt dabei heraus. Klassische Grundlagenforschung also.

Der Verdacht: In den erfolgreichsten Popsongs der westlichen Hemisphäre aus den letzten Jahrzehnten tauchen einige wenige Namen unwahrscheinlich oft auf.

Beispiel: „Carrie“
So viele songüberschreibwerte Carries kann es doch auf Gottes grünem Globus garnicht geben! „Carrie“ von Europe. „Carrie“ von Cliff Richard. „Carrie Anne“ von den Hollies. „Carrie Anne“ von Styx. „Carry Me Carrie“ von Dr. Hook. „Carrie not-the-girl-you‘d-marry“ aus ABBAs „That‘s Me“. Und so weiter ad fast nicht finitum.

Arbeitsplan

Korpus: Sämtliche Popsongs, die es zu irgendeinem Zeitpunkt in den letzten 50 Jahren (genauer: vom 1.1.1957 bis zum 1.1.2007) in die Top 50 der drei wichtigsten Chartslisten, nämlich denen aus den USA, Großbritannien und Deutschland, geschafft haben. Jeweils die im Land wichtigste Liste gilt (also etwa für die USA die Billboard 100).

Untersuchungsgegenstand: Vornamen, die entweder im Titel eines Songs, in dessen Text, oder in beidem vorkommen. Aus Gründen der Geschlechtergleichberechtigung (raceclassandgender-Aspekte sind jedoch immer wichtig), und weil es manchmal nicht so einfach ist die zu unterscheiden, weibliche und männliche.

Vorgehensweise: Zuerst werden die Songtitel gesammelt und datenbankisiert. Name des Songs, Name der Band, Eintritt und Austritt des Songs aus den jeweiligen Charts.
In einem zweiten Schritt sollen die Texte von Liedern auf Namen überprüft werden. Auswertungskategorien sollten natürlich Kompositnamen (Carrie Anne), verschiedene Schreibweisen eines Namens (Carey, Kerry), und verschiedene Aussprachen gleich geschriebener Namen berücksichtigen und sowohl zusammen als auch getrennt und gruppiert auswertbar machen.

Ist ein Lied einmal aus den Charts gefallen, so darf es nicht bei Wiedereintritt ein zweites Mal gezählt werden. Allerdings kann in weiterer Forschung so ein Wiedereintritt, und auch das Covern eines Songs berücksichtigt werden, wenn der gesellschaftlicher Kontext erklärt werden soll.

Erkenntniswille: Was ist der am häufigsten besungene Name? Und mit welchem Abstand?

Was man danach weiter untersuchen sollte: Was genau sagt dieses Ergebnis aus? Ich erwarte faszinierende Seitenblicke aus Bereichen der Soziologie, Kulturanthropologie, Philosophie, Sprachwissenschaft, und weiteren Feldern.

Aus welcher Nation kommt welche Band, über welche Namen singt man regional begrenzt und welche sind international gebräuchlich? Wie sieht es in anderen Ländern als den drei beschriebenen aus?

Fiese Spekulation: Carrie gewinnt. Vor irgendwas mit A.

Ich werde mich diesem Nebenprojekt in dunklen Stunden meiner Dissertationsarbeit widmen. Hilft wer mit bei dieser Exzellenzinitiative ganz andrer Art? Dann bitte bei wissenschaft@lebenoderso.de melden, oder in die Kommentare.

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