Nicht lustig

Si inglisch wörschn of se Spiegel porträtiert dieser Tage einen lustigen Engländer namens Roger Boyes.

Der Mann hat ein Buch geschrieben. In dem Buch steht, dass die Deutschen keinen Humor haben. Haha. Keine Überraschung, das von einem Briten zu hören.

Der Grund, warum ich mich entschlossen habe, an dieser Stelle darüber zu schreiben, ist folgender: Ich bin empört.

Nicht, weil Herr Boyes so gar nicht recht hätte. Nicht, weil ich denke, dass das Deutschlandbild der Engländer sich dadurch um Hochzahlen ins Negative wandeln wird. Ich bin empört über die Weise, in der das Argument präsentiert wird, als sich-selbst-erfüllende Prophezeiung nämlich, als Totschlagargument.

Denn es ist so: Stimmt man als Deutscher der Proposition des Exilanten Ihrer Majestät zu, so gibt man zu, keinen Humor zu haben. Stellt man sich dagegen, so ist man einer dieser sauerteigigen Germanen, die den Humor in seiner Beweisführung selbst nicht erkennen können. Lose-lose.

Etwas Humor, so bemerkt Boyes nach jahrelanger, messerscharfer Beobachtung, haben sogar die Deutschen. Aber der ist, so thesiert er frei heraus, eingezäunt, abgeschnitten vom Alltag. Diesen Humor findet man in Comedysendungen im Fernsehen und im organisiert heiteren jährlichen Volkslachen zur Karnevalszeit.

Seine Beschwerde richtet sich gegen den nicht vorhandenen deutschen Alltagshumor. Scheinbar vermisst er beim täglichen Gang in den Supermarkt die in Dosen gepackte Ironie britischer Lebensmittelverkäufer.

Was ist eigentlich Alltagshumor? Muss er in der triadischen Kollusion des Humoristen, Humorvortragenden und Humorempfangenden liegen, in theaterhafter kultureller Interaktion, am Bankschalter etwa? Oder ist es schon Alltagshumor, wenn ein übermütiger Teenager das Schild “Bekleben verboten” an der Bushaltestelle ums “Bek” verkürzt und uns beim Harren auf den Dreier belustigend darauf einstimmt, dass unsere Existenz an diesem Wartehäuschen amtlicherseits in Frage gestellt ist?

Findet man Witzigkeit in der Sicherheitsvorführung einer Flugbesatzung? Und wenn ja, darf man die behalten?

Vielleicht hat Herr Boyes den deutschen Alltagshumor einfach nicht verstanden. Soll ja vorkommen, dass Dinge in der Übersetzung hängen bleiben. Und außerdem findet er ja eh, dass wir Humor haben, hat das alles ironisch gemeint, und wir habens bloß nicht verstanden.

Denn wir haben wirklich keinen Humor.

%d bloggers like this: