Hunger ohne Namen

Auf meinem Heimweg von der U-Bahn liegt praktischer- wie fatalerweise ein McDonald’s Etwas-anderes-Restaurant (TM).

Und mit “auf meinem Heimweg” meine ich nicht an der Straße oder leicht schräg links gegenüber. Nein, der McDonald’s liegt so günstig, dass ich zur einen Türe hinein und zur anderen wieder hinaus gehen kann  und dabei keinen Meter Umweg gemacht habe. Manchmal gehe ich einfach nur rein und wieder raus ohne etwas zum Verzehr zu kaufen. Bei der Gelegenheit werfe ich nur einen kurzen Blick auf das Leuchttafelmenü, wundere mich darüber was ein McIssMich sein soll, und gehe direkt nach Hause.

Heute nicht. Heute musste Essen her. Schon vor Betreten des Etablissements war klar: Durch den Burgeroverload der vergangenen Umzugstage konnte es heute mal Salat sein. Das ist die gefühlte Gesundheit, denn ob im Salat wirklich weniger gesättigte Fette (oder welche waren nochmal schlecht?) sind als im McKuhtot vermag ich nicht zu sagen.

In der Schlange erst eine kurze Konfusion; Mist, ich habe den Geldbeutel wohl irgendwo liegen gelassen, ach doch nicht, gut, verdammt jetzt stehen fünf Leute vor mir. Dann bestelle ich nach Konsultation des besagten Leuchttafelmenüs einen Salat. Es ist nicht der Standardsalat, sondern, Aktionswochen sei Dank, ein “Salat des Lächelns” dessen Name auf seine quasiasiatischen Zutaten verweist. Nur mit Mühe bringe ich den Namen bei der Bestellung über die Lippen. Und damit stolpern wir auch direkt übers heutige Thema: Warum?

Warum überbieten sich Fast-Food Restaurants in Benennakrobatik weit jenseits des Lächerlichen? Weswegen heißt das Ding nicht einfach “Asien-Salat”? Weswegen heißt der Asien-Burger “Beef-Lang-Zu” in halberheiternder Nachahmung chinesischer Sprechart und nicht einfach “Asien-Burger”? Fährt die Zielgruppe auf so etwas ab?

Vor einigen Jahren hielt ich einmal den Regelbetrieb in einem Wendy’s in Virginia auf weil ich mich weigerte für die Vergrößerung meines Hamburgermenüs deren kindergartenförmchenspielverdächtige Namensgebung zu verwenden. “Ich hätte das gerne groß gemacht,” sagte ich – sinngemäß übersetzt. – “Groß? Sie wollen es großge– was?” fragte Wendy, als beträte man mit ihrem Burgerservierort eine fremde Dimension, in der normale Größenbezeichnungen unbekannt sind. “Ich hätte gerne das Cheeseburgermenü, aber nicht die normale Größe, sondern die ganz große.”

– “Meinen Sie velleicht, Sie wollen es biggie-sizen?”

Ich bestätigte seufzend, “Ja, ich will es biggie-sizen.” Was für ein Wort. Hinter mir in der Schlange sahen mich dicke Baseballkappenträger und Hausfrauen mit ketchuproten Lippen unter Hochklappsonnenbrillenaufsätzen verständnisvoll an. “Ja, Junge,” schienen sie sagen zu wollen, “Du isst wohl sonst eher bei Burger King, da bringt dich die Wendy’s Nomenklatur jetzt wirklich durcheinander. Hatten wir alle mal. Heute geht’s uns bei KFC genau so, da können wir ein Melt auch nicht von einem Twister unterscheiden.”

Ich war nicht der Grund, warum das kleine cholesterintriefende Mädchen die Biggie-sizerei unlängst abgesägt hat, aber ich unterstütze es aus vollem Herzen. Sic semper tyrannis!

Vielleicht treffen wir uns ja bald mal beim Kochlöffel. Da heißt wenigstens das 1/2 Grillhähnchen auch 1/2 Grillhähnchen. Und der Burger mit Ananas Hawaiiburger. Schön.

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