Vertag

Vertage beginnen meistens so.

Man wacht mitten in der Nacht auf und merkt, dass man gestern schon gegen zehn vor dem Fernseher eingeschlafen ist. Der immer noch läuft und seit mindestens sechs Stunden das gleiche Standbild zeigt. Draußen wird es hell.

Die Kaffeemaschine spuckt zu viel Gesöff aus weil ich wieder mal zu dumm war genau abzumessen. Dünn ist es noch dazu.

Das Radio läuft und ich höre den ganzen Tag nicht hin. Der Computer ist an und ich schreibe den ganzen Tag kein Wort.

Die Nachrichtenseiten spülen AP-Meldungen in Halbdutzendmenge wiederholt in den Browser. Man ermüdet beim dritten Lesen der gleichen Geschichte.

Es wird zwölf Uhr und man schert sich nicht drum. Der Vorhang war bis jetzt zu und das blieb unbemerkt. Gegen viertel vor vier nachmittags dann eine Dusche. Keine Rasur und ein Loch im Magen, weil die Energie fürs Einkaufen nicht gereicht hat. Es gibt Pasta aus der Fertigpackung.

Der Bildschirm wird wieder bemüht. Fernsehprogramm bekommt mir eh nicht. Auch die Legion DVDs im übervollen Regal hält nichts neues bereit.  Irgendeine alte Serie in den Abspieler gegossen und über deren anachronistisch schlechte Spezialeffekte weiter gedoppelte Nachrichten gelesen, weil die Handlung nicht interessiert.

Am Abend schließlich Erlösung in Form von Gesellschaft. Die anderen wichtigen Dinge des Lebens auf den nächsten Tag verschoben. Vielleicht musste das mal sein.

(Bilder courtesy yotophoto.com. An Vertagen wird auch nicht fotografiert…)

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