Effizienzgeschnösel

Gebt’s zu, ihr seid da genauso dran Schuld! Ich ja auch. Ich mache ja genauso mit. Keiner kann sich dem entziehen; altius, citius, fortius, und wozu das Ganze? Geimpft wird man damit von klein ab, dass alles immer besser wird. Moderner. Und vor allem: effizienter.

Das Internet bescherte uns erst Echtzeitschriftkommunikation via E-Mail und Chat, und für die ersten Monate schien sich die gewonnene Effizienz auszuzahlen. Dann folgten Echtzeitwerbemails und enervierende Teenager aus Weißrussland, die einen mit Instant Message Müll zudonnerten. Zeitgewinn: gleich null.

Es geht die Geschichte um, dass sich die durchschnittliche Zeit, die eine Hausfrau (man vergebe mir den sexistischen Einschlag) mit der Hausarbeit verbringt vom Anfang des 20. Jahrhunderts bis zum Anfang des 21. nicht großartig verändert hat. Trotz Waschmaschine und Geschirrspüler, Kühltruhe, Staubsauger und Zewa Wisch-und-weg. Das ist zwar nicht bewiesen, aber nehmen wir einmal um des Arguments willen an, es wäre wahr. Wie erklärt sich dieser faszinierende Affront gegen das Erwartete?

Vermutlich durch einen Denkfehler derjenigen, die naiv meinen, wenn man etwas beschleunigt wird es auch immer schneller. Das hat schon manchen Zukunftsforscher nach Ablauf der Frist seiner 30-Jahres Prognose in den Freitod getrieben: “Nein, Herr Forscher, leider gibt es immer noch keine massentauglichen Flugautos, und Raketen für Luftpostsendungen zu verschwenden fiele auch keinem gewinnorientierten Raumfahrtunternehmen ein. Genau deswegen warten wir auch noch auf die Marslandung und die Mondkolonien. Dafür fährt aber keiner mehr mit dem Schiff über den Atlantik.” – “Ach wirklich? Das hatte ich alles verschlafen. Ich spring dann man von der nächsten Brücke.”

Wenn etwas einfacher geht, dann ist man weniger geneigt, es nur zu tun wenn wirklich angeraten und unvermeidbar. Es wird dann eben nicht nur einmal im Vierteljahr Wäsche gewaschen, sondern alle drei Tage sofern nötig. Deswegen treten schmutzresistene Stoffe auch nicht den Siegeszug über die Laufstege an. Stattdessen werden Hemden bei H&M&C&A&P&C&c gekauft, getragen, gewaschen, und nach einem Jahr entsorgt. Auch weiße Hosen in der gesamten Hemisphäre verdanken den Bauknechts, Mieles und Whirlpools westzivilisierter Haushalte so ihre Existenz.

Ob das so alles sinnig ist bleibt in Frage zu stellen. Dass uns Entschleunigung hie und da gut tun würde habe ich schon einmal ausgeführt. Doch damit ist es nicht getan, Entreizüberflutung wäre noch weitaus angebrachter. Natürlich ist es beindruckende Statistik, täglich 150 E-Mails loszufeueren. Doch wenn 140 davon mit wenig aussagekräftigen Standardantworten gefüllt sind hilft das keinem. Im schlechtesten Fall darf der Anfragende dann dreimal schreiben, bis er als ernstzunehmend eingestuft wird. Und dann sind die zwei Mails davor, auch wenn sie nur Sekunden dauern, Zeitverschwendung.

Da kann es durchaus um ein vielfaches effizienter sein, ersteinmal nachzudenken und dann mit Bedacht zu antworten. Ja, Technik-Hotlines und Netzansprechpartner aller Länder, ihr seid gemeint. Und ich habe Geschichten, die das beweisen!

Was die Hotlines betrifft, so kann ich das Ziel der Automatisierung zwar verstehen, aber wenn etwa die Versandfirma mit dem “Hoppla”-Namen erst einen Computer meine Daten abfragen lässt um dann am Ende zu bemerken, dass man mich zu einem Menschen durchstellen muss, dann kann ich doch nach Einsatz gewisser Grundlagen der Logik annehmen, dass dieser Mensch meine Daten schon auf seinem Schirm stehen hat. Weit gefehlt (das wollte ich schon immer einmal schreiben; weit gefehlt, Damenundherren, weit gefehlt)! Man veranlasst den geduldigen, abholbereiten Kunden erst zur nochmaligen Nennung aller Daten (inklusive der vorher schon abgefragten Telefonnummer, die in Zeiten der Rufnummernübertragung auch schon bekannt sein dürfte). Dann fragt man “von 8 bis 12 Uhr, wäre das okay?” worauf derselbe Kunde mit “Ja” antwortet. Dann sagt man “das geht leider nicht, wir brauchen ein Zeitfenster von 8 bis 13 Uhr”. Realsatire. Zumindest im Bereitstellen davon sind wir immer effizienter geworden.

Jetzt entschuldigt mich. Ich muss duschen, zähneputzen, mich rasieren und Nachrichten hören gleichzeitig. Und falls HOPPLA klingelt gebe ich parallel auch noch ein Paket auf. Es soll ja keiner denken ich wäre nicht multitaskingfähig.

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