Von der Kunst, sich dann doch nicht aufzuraffen

Joggingschuhe kaufen hat etwas Entschlossenes. Man tut es nicht einfach mal so. Es ist Ausdruck einer Absicht, je teurer der Schuh, desto klarer und unumstößlicher der Vorsatz, sie zu benutzen. Nicht zu Jeans und T-Shirt auf der Straße (ein Outfit, das man in der modebewussten M-Stadt sowieso bis auf Ausnahmefälle vermeiden sollte), sondern auf knirschendem Kies und knorpelschindendem Asphalt – im Laufschritt.

Schuhe ohne Läufer

Natürlich ist es damit nicht getan, es gibt noch Mengen an Accessoires die man braucht und brauchen könnte. Die aus besonderem Anti-Schwitz gefertigte Hose, das Joggingjersey mit eingebauter Feuchtigkeitsabsorptionsschicht, die Spezialsocken, den Musikplayer (früher Walkman, heute iPod oder iPodersatzgerät, möglichst hüpfrobust), Pulsuhr, Schrittzähler. Für die Profis unter den Amateuren gibt es das Taschen-GPS mit Direktanbindung an Google Earth.

Das Anlegen dieser Expeditionsausrüstung, die einem modernen NASA-Weltraumanzug nur wenig in Komplexität nachsteht, ist Ritual, und Fuß um Fuß bleibt man seiner üblichen Strecke treu.

Wenn da das Wetter nicht wäre.

Heute morgen sah es regnerisch aus. Das Gute daran, dass man den Vormittag frei hat ist, dass man einfach noch ein wenig wartet, bis sich die Wolken verziehen. Weil es einfach schöner ist, die Stunde in der Natur trocken bleiben zu dürfen. Und vom Blitz getroffen werden will man ja auch nicht. Gerade in der Hauptstadt des gewitterreichsten Bundeslandes.

Bis sie sich verziehen vergeht noch etwas Zeit, die man anderweitig verwenden muss.

Und schließlich: Sie verziehen sich nicht. Das heißt, sie verziehen sich doch. Exakt eine Stunde bevor ich eine U-Bahn erwischen sollte. Zu knapp.

Wenigstens war noch Zeit, darüber zu schreiben.

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