Eingecheckt

Es ist nun einmal so, dass im frühen 21. Jahrhundert der Flughafen kein magischer Ort mehr ist. Damals, als Kind in der idealisierten Hälfte der 80er Jahre, aber auch später noch in den Teenagen der 90er hatte er Verheißung. Wenn man flog, gab es plötzlich die Zeitung umsonst. Als Bildungsbürger griff ich da immer gerne Le Monde ab, auch um des Willens des Französischunterrichts. Und siehe, die bunten Bilder auf der Titelseite halfen dann doch so einiges verstehen.

Kaffee, Tee, Orangensaft (sogar die teure Variante mit Fruchtfleisch), alles gratis. Im Terminal und im Flugzeug. Die Stewardess, die einen bei Alleinflügen an der Hand nahm ist allerdings heute nicht mehr notwendig. Wenn man sich auch im Wirr der Security-Checkpoints manchmal dann doch etwas Assistenz wünscht.

Die Magie ging jedoch nicht nur dadurch verloren. Zuerst verschwand der Gratistee. Dann gabs die Zeitung nur noch lieblos am Flugzeugeingang, verstaut in einem Gitterkasten der an die allgegenwärtigen Bildzeitungs-Verkaufsklappen erinnerte. Zuletzt verschwand das Essen während des Flugs, zumindest auf Inlandsflügen.

Doch der Status quo, Lesern der empfehlenswerten “Ask the Pilot” Kolumne weltweit auch aus zweiter Hand vertraut, ändert sich, zumindest ein wenig, hin zum besseren.

Ich sitze im Terminal 2 des Münchner Flughafens. Auf der Suche nach Kaffee werde ich vom Mann am Adelholzener-Imbisstand glatt ignoriert. Unter dem mitleidigen Blick einer jungen Dame, die es geschafft hat, ihm eine Tasse Heißes abzukaufen, ziehe ich mich zurück. Das Wandern an Gates vorbei führt mich zu einem magischen Ort, einem kleine, versteckten. “Service Point 3” nennt er sich, und vorsichtig wie die Astronauten dem Obelisken in “2001” nähere ich mich ihm.

Da stehen, unbenutzt und unbemerkt, drei Kaffee/Teeautomaten, freundlicherweise von der Lufthansa aufgestellt. Nach einem Münzeinwurfschlitz sucht man vergeblich. Es kann doch nicht sein…

Es ist so. Gratis. Wie dereinst, als die Flugbegleiterinnen wirklich noch Stewardessen hießen. Nach dem Umsonstgetränk entscheide ich mich für eine der zehn verschiedenen ausgelegten Tageszeitungen, und schleife mich zum Abflugsgate.

Ein bisschen vom Zauber ist zurück. Ein kleines bisschen.

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