Ex Libris

Heute (fast) ein ganzer Tag in der Bayerischen Staatsbibliothek. Mit Laptop und Mitstreitern.

Der kommone Student ist seiner primären Buchverwaltungsstelle allzu oft mit inniger Hassliebe verbunden. Ohne sie studieren geht nicht. Wäre aber so schön. Wobei die Räumlichkeiten gerade der StaBi eigentlich nichts zu wünschen übrig lassen. Arbeitstische sind fast immer reichlichst vorhanden wenn man morgens unter den ersten ist, die meisten davon mit eigener Leselampe – dazu später noch – und Steckdose für den ubiquitiösen, unverzichtbaren Mobilcomputer.

Aber wie soll man eine Einrichtung mögen können, die am Eingang des Lesesaals eigens Wächter postiert hat um einem zu verbieten dort mit den Notwendigkeiten für einen langen Tag des Lesens und Schreibens einzudringen? Dass man der Meinung ist, Sandwiches und die dazugehörigen Geräusche und Krümel gehören nicht ins Heiligtum sehe ich ein. Aber warum nicht einmal Wasserflaschen? Wobei wir doch alle wissen, dass Dehydration der Konzentration entgegen wirkt.

Dass man ein Buch erst in der Bibliothek ausleihen, und dann in derselben benutzen möchte scheint auch auf Skepsis bei den Grenzposten des Geschriebenen vor der Saaltür zu stoßen. Dafür ist ein Schein mit der Benutzernummer auszufüllen. Das von zu Hause mitgebrachte eigene Buch kriegt einen nummernfreien Zettel. Wie darf ich das nun verstehen? Ich habe Buch eins doch ausgeliehen, und bis zur Rückgabe obliegt es mir darauf gut achtzugeben. Wenn es abhanden kommt (wie mir kürzlich fast en masse passiert) muss ich es teuer ersetzen. Korrekt? Wieso muss die Staatsbibliothek dann meine Benutzernummer auf einen Zettel notieren, bevor ich damit in die Staatsbibliothek darf?

Und überhaupt, was sollen die roten Zettel, auf denen “Laptop” draufsteht, und die jedem Benotebookten beim Eintritt mitgegeben werden (pro Laptop einer nehme ich an)? Wenn ich vorhabe, eines der zweifellos zahlreich vorhandenen Prachtstücke moderner Mikrochipingenuität mitgehen zu lassen, traut man mir dann nicht auch noch genug kriminelle Energie zu, dem netten Herrn Professor in der vordersten Reihe seinen achtlos herumliegenden roten Zettel zu entwenden?

Trotz all dieser ritterlichen Maßnahmen die lernende Bevölkerung vor Gefahr und auraler Belästigung zu bewahren ist die Geräuschkulisse beachtlich. Ein ständiges Kommen, Gehen und Naseputzen. Hinter mir gibt nach zwei Stunden unterbrechungsfreiem Getippel auf einer defekten Tastatur endlich eine beleibte junge Dame auf, die Erlebnisse vermutlich der letzten Sozialwissenschaftlerparty den Eltern im fernen Moosburg mitzuteilen. Oder Innsbruck.

Stöckelschuhe gehören hier eigentlich auch verboten, wenn man schon nicht einmal meine Schutzhülle fürs PowerBook dulden will. Die wäre ganz still und ist auch so klein, dass man darin keine wertvollen Monographien aus der Bavarica-Sammlung widerrechtlich nach draußen schmuggeln könnte.

Das Verbot aller lukullischen Genüsse in Buchregalnähe führt dazu, dass sich dort wo man in architektonischer Weitsicht die Eingangshalle mit Schließfächern zugemüllt hat die Pausenmacher sammeln. Auf Fensterbrettern sitzend in den leeren Innenhof starren. Nicht gerade gemütlich.

Den Vogel (nebenbei bemerkt scheint der Luftraum vor den großen Glasfenstern der StaBi gerne von Tausendschaften Krähen oder Raben lautstark bevölkert zu werden) schießt jedoch die eingangs erwähnte Tischlampe ab. Sie verfügt über zwei Knöpfe, einen auf dem “Ein” vermerkt ist und einen auf dem “Aus” steht. Ich kann also zweimal den “Ein” Knopf betätigen. Dass die Lampe dadurch dann Einer als davor wäre konnte ich nicht feststellen.

Traut man uns Studenten denn nicht einmal den Umgang mit dem zu, was selbst der Unterschichteneinrichter IKEA in allen seinen Sven, Mögefröge und Hoppan Leuchten verwirklicht? EINEN Schalter, der die Lampe einschaltet wenn sie aus ist und aus wenn sie eingeschaltet ist?

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