Überfällige Unverschämtheit

Eigentlich eine kaum vorstellbare Anmaßung des sich an die Macht krallenden Nochkanzlers, die da gerüchteweise in die Blätter gespült wurde: Die SPD will anscheinend, wie rethorisch ja schon seit Sonntag gestreut, die Union spalten. Sprich, CDU/CSU im Bundestag zu CDU und CSU machen. Also de facto die beiden teilen, und sich damit selbst zur größten, und damit Bundeskanzlerfraktion, rechnen. Es fällt der Unterkiefer bei soviel tolldreistem Wagemut.

Doch, vom nicht koscheren Grund einmal abgesehen, ist das ein einleuchtender Vorschlag. Man sehe sich bloß einmal die berühmt-berüchtigte “Elefantenrunde” an. Ein Vertreter der SPD (wenn er auch glatt für drei geredet hat), ein Vertreter der Grünen, einer der FDP, einer nur selbst der grade erst vereinten Linkspartei. Und zwei (in Zahlen: 2) Unionsspitzenleute. Dito in den Talkshows. Wenn immer alle Meinungen gehört werden sollen, dann fragt die Journaille einen Vertreter der SPD, einen der Grünen, etc. Und zwei Unionspolitiker. Das ist in Zeiten der medialen Omnipräsenz Gold wert.

Einem Außenstehenden muss dieser vereinend praktizierte Parteiseparatismus sehr seltsam erscheinen. Wir allerdings haben uns daran gewöhnt, dass Union überall CDU bedeutet außer in Bayern. Und für die CSU ist das Teil der “mir san mir” Stimmensicherungstaktik. Stoiber & Cie sind in der einmaligen Lage, immer gleichzeitig Regierungs- und Oppositionspartei sein zu dürfen.

In Bayern ist es so lange her, dass die Regierung nicht von der CSU gestellt wurde, dass die heranwachsende Generation den Mythos vom SPD-Ministerpräsidenten wohl als sozialdemokratische Träumerei abtun dürfte. Die CSU ist Bayern. Und schreitet für Bayern mutig voran und tut tatkräftig, was getan werden muss. Gleichzeitig ist man ja nie an der Regierung, denn alles was schlecht ist (über die einst so gern genommenen Bonner Finanzspritzen gehört es sich nicht, zu reden) kommt immer von Außen. Bei SPD-geführten Bundesregierungen sowieso. Und bei unionsgeführten spätestens dann, wenn dem Wahlvolk ein ungeliebtes Gesetz nahe gebracht werden soll: “Jo, I weiß, mir g’fallt des a net, aber versteht’s, des ham die ‘anderen’ so g’wollt.” Und waren’s die Linken nicht oder die bösen Brüder aus Hamburg, Halle oder Hannover, dann ist Europa schuld. Das böse.

Dass allerings in Berlin das angestrebte Paragraphenbasteln einen Kanzler Schröder retten würde, ist mehr als fraglich. Bei derart schamloser Taktiererei gehört schon viel Gott- äh Gerdvertrauen dazu, wenn man nicht kopfkratzend die Augenbrauen hebt und den eben noch kratzenden Finger sogleich zum vogelzeigenden umfunktioniert. Aber im Prinzip ist das eigentlich doch längst überfällig. Die so unsanft zerteilte Union dürfte sich auch schnell am Riemen reißen und gemeinsame Sache machen. Mit einem Parteivorsitzenden und drei bundesweit gleichen Buchstaben.

Um die Regierungsmehrheit im Freistaat muss sich die Union dabei keine Sorgen machen. Da hilft der Blick auf Baden-Württemberg. Also auf, splitten wir und ebnen wir das Spielfeld ein! Aber bitte bei Tageslicht. Nicht in den Nachwehen einer verkorksten weder-noch Bundestagswahl. Eine Union für ein Deutschland! Kann dann von mir aus auch bundesweit CSU heißen. Soviel Bayern verträgt die Nation.

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