Kolportage

Das gemeine Gerücht ist nicht halb so schlimm wie die informiert klingende Kolportage.

Das beweist uns unter anderem wieder und immer wieder die Bild-Zeitung (verdient keinen Link, stattdessen sei auf die Dekonstruktion ihres Nichtinformationsgehalts im preisgekrönten BildBlog verwiesen).

Natürlich sind wir alle mit Schuld dran, und am meisten jene, die die Klappe partout auch im Internet nicht halten können und so ihre ganz persönliche Sicht der Welt auch zu Dingen verbreiten, von denen sie wenig Ahnung haben – mich eingeschlossen.

Wirklich sträflich wirds aber, wenn man sich als Journalist bei einer angesehenen Publikation wie dem Spiegel verdingt und trotzdem Enormitäten vom Typus “Recherche heißt kurz mal googeln” unter die Leserschaft schiebt.

So findet sich in der englischsprachigen Ausgabe des deutschen Nachrichtenmagazins ein Verweis auf hohe Benzinpreise in England. Von Schildern wird da gesprochen, die man ändern muss, damit unerhört hohe Preise von über einem Pfund pro Gallone draufpassen.

Blöd nur, dass man auch im Königreich inzwischen metrisch tankt, und es über ein Pfund pro Liter sind. Dem – wie man aufgrund der sprachlichen Entscheidungen der Spiegel Online Redaktion annehmen mag – höchstwahrscheinlich amerikanischen Leser fällt es bei so einer Detailvergessenheit nicht schwer, sich mit seinen immer noch extrem niedrigen Preisen am oberen Ende der internationalen Skala zu wähnen. Immerhin entspricht eine britische Gallone mehr als 4,5 Litern. Und selbst wer nicht weiß, dass sich die von der amerikanischen unterscheidet, denkt immer noch an knapp 3,8 Liter flüssigen Gegenwert fürs Pfund.

Bilde ich mir das bloß ein, oder ist das generelle Niveau im Spiegel in den letzten Jahren massiv gesunken? Konnte man sich früher zumindest auf eine “nach bestem Wissen und Gewissen”-Faktentreue mit politischem Linkseinschlag und griffig gut formulierte Artikel verlassen, so muss man heute mit vermantschten Anglizismen von legasthenisch hochbegabten Möchtegern-Augsteins vorlieb nehmen. Lesen an der Brandstwiete denn alle Focus?

So muss es doch nicht sein. Lieber Spiegel: Manchmal ist weniger mehr, und manchmal ist Nachricht nicht gleich Meinung. Und manchmal trefft ihr den Nagel doch auch auf den Kopf. Das sind die Sachen, die wir wirklich lesen wollen. DPA-Meldungen kriegen wir von überall.

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