Deutschland hat sich verwählt

So. Den Florida-Wahlbezirk in Dresden hin oder her, Deutschland hat sich, was irgendwie symptomatisch ist, in die Sackgasse gewählt.

Die treffendste Wahlanalyse die ich bisher auftreiben konnte, findet sich hier.

Zitat:

Dass ich das kein drittes Mal schaffe, war uns doch allen klar.
Gerhard Schröder, SPD

Ach Scheiße, schon wieder nix.
Angela Merkel, CDU

10 Prozent – toll. Und was nützt es: nichts.
Guido Westerwelle, FDP

Naja, so richtig doll ist das nicht.
Joschka Fischer, Die Grünen

In diesem Zusammenhang fällt mir auf, dass offenbar einzig die Linkspartei das Wahlergebnis ehrlich kommentiert hat.

Wir wollen eh mit niemandem regieren.
Gregor Gysi, Die Linkspartei

Zitat Ende.

So schonungslos ehrlich das auch ist, es hilft dem Bürger vielleicht, durchzublicken, aber nicht den Politikern, zu koalieren.

Um es mit dem Titel einer beliebten Politiksendung im Zweiten zu sagen: Was nun Frauherr Merkelschröderwesterfischerstoiberlafowelletaine?

Während der Gerd sich wie weiland George W. trotz Stimmenminderheit nach zwei Glas Champagner zu viel schon zum Überraschungstrotzdemnochgewinner spin-doctort (und damit beweist: selbst altgediente SPD-Recken lesen vom “Vorwärts” inzwischen nur noch das Titelblatt, das dafür aber scheins gründlich), Frau Merkel, die alles “so halb” tut sich so halb zwischen alle Nesseln setzt und Stoiber richtiggehend sauer ist und es “inakzeptabel!” findet, dass Schröder weiter regieren will, muss eine einfache Frage erlaubt sein: Wieso hat Deutschland so gekreuzelt?

Nach Jahren der Abstrafung von Rot-Grün durch Wählen von Schwarz-Gelb in Landtagswahlen stellt sich nun heraus, dass da wirklich nur abgestraft, und nicht konstruktiv gewollt wurde. Warum, liebe Wechselwähler, habt ihr nicht den Wechsel gewählt?

Oder zumindest einer der Volksparteien ein klares Mandat zur Regierungsbildung angeschraubt? Wenn wir auch mit Adenauer annehmen wollen, dass Mehrheit Mehrheit ist und jetzt erstmal die Union am Zug ist, so kann diese eine derart knappe Mehrheit nicht grade als Rückendeckung für Ihre Politik sehen.

Blamabel ist das vor allem deshalb, weil die SPD trotz gestiegener Arbeitslosigkeit, sieben Jahren voll ungeliebter Reformen und politischem Eiertanz immer noch so unbequem nahe am Ergebnis der Christlichen klebt.

Was uns aufhorchen lassen muss, ist das Ergebnis der kleinen Parteien. Die Grünen haben sich an ihre 8 irgendwas Prozent gekrallt, obwohl kaum jemand der Regierungskoalition noch eine Chance gab. Dann waren es 2002 wohl doch nicht nur SPD-Rettenwoller, die strategisch Joschka-Stimmen vergeben haben.

Und die FDP, seit nunmehr schon einigen Jährchen Aufklauberin des wirtschaftskonservativen Unionsrands und von verstimmten Sozialdemokraten die es mit ihrem Gewissen nicht vereinbaren können, den “Feind” zu wählen, ist unterdes fast zweistellig geworden. Wohl, weil man sich im Unionslager auf das Experiment einließ, mit geplanten Steuererhöhungen Wahlkampf zu machen.

Autsch. Setzen, sechs, ihr Wahlkampfstrategen der schwarzen Mitte! Die Wahrheit zu sagen passt nicht in die Wirklichkeit. Hättet ihr doch weniger “West Wing” zur Inspiration geguckt und mehr das gemacht, was Wahlkampfstrategen sonst tun. Strategien für den Wahlkampf entwickeln, etwa. Solche, die darüber hinaus gehen zu sagen, dass die anderen alles falsch gemacht haben und man deswegen ja praktisch schon gewählt ist. Ganz böser Fehler, dem Wähler zu sagen, dass er einen gefälligst schon gewählt hat.

Aber zurück zu den “Kleinen”: Wie erklärt mensch denn so etwas wie die Linkspartei? Die PDS-Nachfolgepartei SED, äh, Pardon, SED-Nachfolgepartei WASG, äh, nein, nochmal: PDS-Nachfolgepartei PDS…? Jetza: Die PDS-und-WASG-Nachfolgepartei PDS-WASG-Die Linke ist ein Phänomen. Man weiß nicht so recht, für was sie denn nun stehen, außer dafür, dass sie glauben, man könnte den kapitalistisch vorgebildeten Exsozis schmackhaft machen, dass Marx ja so Unrecht nicht hatte. Oh, und gegen Sozialabbau (wie das bezahlt werden soll sehen wir später) und gegen Militäreinsätze (damit Deutschland in Europa und Europa in der Welt auch ja keine Rolle spielt) sind wir. Jawollja. Völker, die Signale, hört ihr sie? Sie stehen auf Protest! Letztlich bindet die Gysifontainsche Nostalgieunion vor allem die Frustrierten (die ja von Herrn Stoiber wissen, dass sie die CD(S)U nicht wählen dürfen) und jene eigentlichen SPD-Anhänger, die Schröder weniger mögen als sie Oskar mochten. Kommt einem ein bisschen so vor als wäre die neue Linke ein Spin-Off, ganz wie im Fernsehen: Ein paar bekannte Gesichter, ansonsten viel vom Gleichen, und nochmal 4 Staffeln rangehängt. Nur, dass diese Nachfolgeserie gleich zwei zweifelhafte Erfolgsprodukte, die “SP-Oskars” und “PDS – Einsatz in Mitteldeutschland” vereint.

Nun denn. Während an anderer Stelle schon auf die Koalitionsmöglichkeit mit den wohl chilligsten Assoziationen gehofft wird, hält sich Leben oder so erst mal zurück mit den Vorhersagen. Deutschland hat gewählt. Und ist bis auf weiteres erst einmal… falsch verbunden.

%d bloggers like this: