Billbrysonade

Ganz im Geiste des, Achtung Verlagshype, “erfolgreichsten Sachbuchautors der Gegenwart” (in England, fügt Bertelsmann noch entschuldigend hinzu) hab ich es getan. Letzten Montag.

Bill Bryson, der Mann, der uns in nur einem Buch das erklären kann, was Teillandsmann Douglas Adams “Das Leben, das Universum und den ganzen Rest” nennt, ist eigentlich Reiseschriftsteller. Oder wenigstens manchmal. Und er fährt/läuft/fliegt konstant in irgendwelche Städte, Dörfer, Länder, schaut sich da kurz um, und fährt weiter. Und schreibt darüber.

Meinereiner dagegen wollte eigentlich nicht schreiben, sondern lesen. Da ich diesen Sommer noch in den Genuss des Bayern-Ferientickets der Deutschen NichtmehrbundesBahn gekommen bin, und es bis dato nur für Trips in benachbarte Bundes/länder (Baden Württemberg, Österreich) benutzt hatte, wurde es am letzten Gültigkeitstag mal Zeit.

In Vorbereitung auf die Magisterarbeit wollte ein dickes Buch gelesen werden: Richard Dawkins’ “The Ancestor’s Tale”, das unterdessen eben jener Bill Bryson “absorbing” nennt. Was bietet sich da besser an als eine lange Zugfahrt?

Nach zögerlichem Hin-und Herlaufen am Münchner Hauptbahnhof entschied ich mich für den nächsten Zug der Bayerischen Oberlandbahn (BOB für Freunde) und stieg stattdessen kurzentschlossen in die Regionalbahn nach Passau ein.

Ich trotzte der Versuchung auszusteigen sowohl am Moosacher Bahnhof (Heimats-S-Bahn-Halt) und in Freising (äußerste S-Bahn-Station) und landete nach einem Zwischenhalt auf offener Strecke mit 45-minütiger Verspätung in der oft so genannten 3-Flüsse-Stadt.

Allerdings bekam ich nur einen Fluss zu sehen, und damit wenig mehr als der Zuschauer einer jener Folgen von “Forsthaus Falkenau” die mit Passau den städtischen Kontrast zum serieneigenen Pampadorf setzen wollen.

Die Verspätung hatte meinen Rückfahrtsplan durcheinandergebracht, so dass ich nur etwas mehr als eine Stunde durch die Gassen stiefeln konnte. Also ab ans Donau(?)ufer und entlangspaziert. Neben der Entdeckung des ins Altstadtidyll eingebauten örtlichen McDonald’s, in dem die Art von qualifizierten, freundlichen Menschen zu arbeiten scheint, die andernorts von höherwertigen Fast-Food-Betrieben abgeworben werden, gab es nicht viel zu vermelden. Die Passauer Innenstadt nach Ladenschluss ähnelt dem deutschen Viertel in Disneyland an schlecht besuchten Tagen. Viel ist hier nicht. Schade eigentlich.

Nach leicht querem Rumgelaufe fand ich zum Bahnhof zurück, setzte mich in den Express nach München, und war zwei Stunden später wieder da, wo ich am Nachmittag eigentlich ins bayerische Oberland aufbrechen wollte.

Vielleicht das nächste Mal.

%d bloggers like this: