In einem Zug

Dank des Wunders der Bluetooth-Technik finden diese Zeilen ihren Weg ins “Leben oder so” Homeoffice im Internet aus einem fahrenden Regionalexpress Richtung Augsburg.

Was mich ohne Umschweife zum Thema bringt; der deutschen Bahn.

Nachdem ich mich letzten Montag auf ein Magisterthema festgelegt, mir ab Mittwoch Urlaub für den Rest des Monats genommen, und die essentiellsten Bücher für die letzten Zeilen prä-magistralen Hausarbeitens zusammen mit Sporthose, PowerBook und iPod in den Messenger Bag gequetscht habe, sollte es heute für ein paar Tage Heimaturlaub nach Ulm gehen.

Mit einer Stunde Vorlauf machte ich mich denn auch zum Gong des gestrigen Tagesschau-Podcasts auf den Weg. 5 Minuten zur U-Bahn, etwas Warten, 10 Minuten Fahrt, viel Zeit bis 15:51. Doch entgegen der Versprechen auf einer ansonsten relativ zuverlässigen Website des Schienendienstleisters keine Spur vom gewünschten Bayern-Ferienticket für Schüler und Studenten an diversen Automaten. Und das im Münchner Hauptbahnhof. Merkwürdig, ja. Enervierend, etwas. Ärgerlich, wenig.

Um halb vier dann der Schritt in das, was in der guten alten Zeit Schalterhalle hieß, sich heute aber im Marketingsprech zum “Reisezentrum” oder “Service Point” gemausert hat. Dort die erste Überraschung. Es sind Leute anwesend. An einem Mittwochnachmittag. Also, ab in die Schlange. Nein, halt, da ist ja noch ein Automat. Der wird doch jetzt sicher mein Ticket haben. Fehlanzeige, encore une fois.

Der etwa fünfzehnsekündige Exkurs kostet mich den sicher geglaubten Platz in der Warteschlange. Also hinten einreihen. Fünfzehn Uhr siebenunddreißig. Kein Problem, immerhin sind ja fast zwei Drittel der Schalter besetzt. Die Schlange räkelt sich, legt sich wieder hin, scheint noch müde vom letzten verspeisten Kaninchen.

Immer noch kaum Verärgerung. Die beiden Gruppenreiseschalter sind besetzt und niemand steht an, sicher werden die Powers-that-be das sogleich bemerken und sie für den allgemeinen Publikumsverkehr freigeben.

Fünfzehn Uhr siebenundvierzig. Die beiden Herrschaften hinter den Gruppenreiseschaltern tratschen und scheinen ihre freie Zeit zu genießen. Der Rest des Servicepersonals arbeitet brav seine Kundschaft ab. Die unverständigen Teenagerinnen, den schwarzen Herrn mit der coolen Sonnenbrille, Mutter und Tochter auf dem Weg in den Osten des Lands.

Und endlich bin ich dran. Fünfzehn Uhr einundfünfzig. Fährt mein Zug. Ich nicht.

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