Executive Class

Nichts ist schöner als das glückliche Ende einer unglücklichen Geschichte. So geschehen heute morgen, ca. 11:30. Dramatis Personae: Die Hotline eines bekannten Elektronikherstellers (ACER), ein UPS-Männchen (HERR UPS), vertane Zeit (DAS WARTEN), und ich (DER KLEINE TORSTEN).

Gehen wir zurück an den Anfang. Es begab sich gar im Monde April, dass ich, den Kauf eines neuen Laptops im Auge habend, meinem Jagd- und Sammeltrieb folgte. Stunden verbrachte ich vor unübersichtlichen Übersichten im weltweiten Datenwust, in überheizten Elektronikfachgeschäften und sogar im Saturnmarkt um die Ecke.

Letztendlich überkam mich beim Schnäppchenpreis die Kaufwut, und ich drückte ab. 26. April. So landete er erst im Amazon-Einkaufskorb und dann in meiner IKEA-glorifizierten Bleibe.

Ich hatte einen neuen Monitor, endlich. Seit anno ’97 hatte ich mir erst mit einem No-Name 15-Zoll Röhrengerät, dann einem noch minisküleren Notebookschirm, und schließlich dem ausrangierten Trumm aus zehn Jahren elterlicher PC-Arbeit beholfen. Jetzt war es 2005, und höchste Zeit modern zu werden.

Das aluminiumglänzende 17-Inch-Display bekam einen Ehrenplatz. Ca y est! Hier war ein Stück Technik gefunden, dass mich zusammen mit dem neuen PowerBook die nächsten Jahre durchs frühe Erwachsentum begleiten durfte.

War da was?

Irgendsowas… hör doch mal hin, sowas… brummendes.

Ein Brummton? Nicht direkt.

Eher ein… Summton. So ein Fiepen, sowas, das zuerst gar nicht auffällt und einen dann langsam aber sicher Stunde für Stunde in den Wahnsinn treibt. Was es tat.

Also entschied ich mich nach einer E-Mail und einem Gespräch mit der Kummerleitung des Herstellers, die 3-jährige Garantie schon nach 3 Tagen in Anspruch zu nehmen und ließ das Stück abholen. Dass UPS mich dabei einen ganzen Vormittag warten ließ, nun ja, das verbuchen wir mal unter “unvermeidbare Ärgernisse” und belassens dabei.

Eine Woche später schon erhielt ich das Gerät repariert. Theoretisch zumindest, denn zu dem Fiepen hatte sich nun wirklich ein Brummen gesellt. So als stünde irrgendein Teil des Metallgehäuses unter Strom. Ich würde nicht warten und herausfinden ob dem auch so sei. Das Ganze also nochmal. Telefonat mit Hotline. Natürlich anderer Ansprechpartner (ACER: “Sagen Sie uns doch nochmal was war. Ja, ja, Fehler, schicken, reparierem wir. Termin ausmachen, wird abgeholt”), Warten auf Uniform von UPS (HERR UPS: “So genaue Termine machen wir nicht”). Warten.

Zwei Wochen darauf wieder das verräterische Röhren eines Paketwagens. Na endlich, hab jetzt schon fast einen Monat keinen Schirm. Meine Haltung beginnt zu leiden.

Und… tada, Trommelwirbel: Es ist alles wie gehabt. Das Brummen ist nun zwar verschwunden, aber das Fiepen ist immer noch da. Dabei hat das Gerät eine andere Seriennummer, ist also offensichtlich getauscht. Langsam entwickle ich verschwörungstheoretische Tendenzen. (DER KLEINE TORSTEN: “Langsam entwickle ich verschwörungstheoretische Tendenzen”).

Acer, bei dem mich auch diesmal wieder jemand begrüßt der aus all den schon vorher angegebenen Daten haarscharf schließt, dass da was nicht stimmt und ich Ihnen das Ding doch mal wieder vorbeischicken soll.

Herr Ups, der mir wieder einen Vormittag untätigen Herumsitzens einbringt.

Das Warten. Diesmal länger. Drei Wochen. Vier. Nichts.

Ich suche also zum siebenunddreißigsten Mal Telefonnummer, Seriennummer, Bearbeitungscode heraus und melde mich. Und man sagt mir, ich solle hartnäckig sein:

ACER: Hartnäckig! Nicht abwimmeln lassen! Die Werkstatt wars. Werkstatt zur Rechenschaft ziehen. Sieh an, kleiner Torsten, so läuft das in der großen Welt. Jemand ist immer schuld. Aber ich nicht. Ich ja nicht, neh, ich doch nicht, wieso?

DER KLEINE TORSTEN: Danke, ich bin jetzt schlauer.

DAS WARTEN: Ich komm zum Zug, mal wieder.

Also nun im Wochenrythmus. Zwei Gespräche weiter immer noch nichts.

DER KLEINE TORSTEN: Ich hab ja jetzt schreiben gelernt. Guckt mal wie schnell ich tippen kann, hui, keine Hände! Ich schreib nen Brief!

Und siehe da, es tut sich was. Ein nagelneuer Monitor. Das Nachfolgemodell, also besser und alles und so. Acrylschwarz, leuchtstark, schick in Klavierlackoptik. Sogar mit SCART-Anschluss falls ich damit den Fernseher ersetzen will. Endlich!

Heute ist der 4. August.

Aber… war da nicht was? So ein… Fiepen…

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