Zeit macht Geräusche

Ehren wir in diesem Episödchen doch einmal Albert Einstein. Das ist opportun, schließlich ist dieses Jahr das Zentennial seines “annus mirabilis.”

Einstein, so will es die Geschichte, veröffentlichte 1905 in den “Annalen der Physik” seine spezielle Relativitätstheorie. Die, Besserwissermodus an, unterscheidet sich von der allgemeinen insofern, als dass sie sich zwar um Zeit und Raum kümmert aber nicht um die Schwerkraft. Nachdem Einstein bekannterweise ein Genie war ist das alles natürlich etwas komplizierter, aber das fällt hier absichtlich unter den Tisch.

Denn in Wirklichkeit geht es gar nicht um Einstein, sondern um Uhren. Wenn auch Uhren Einstein den Weg in die Raumzeit wiesen. In diesem Falle handelt es sich um eine Funkuhr. Funkuhren sind eine unvergleichlich praktische Erfindung, weil man sie nicht stellen muss und sie daher de facto immer richtig gehen. Dummerweise nur, wenn, hier kommt das “Funk” aus dem Namen des Apparats ins Spiel, sie auch ein Signal erhalten, dass sie konstant wieder richtig stellt.

Bei meinem Exemplar aus der Woolworth-Zeitmesserabteilung (weltbekannt und jedem Connaisseur der schönen Uhrmacherkunst wohl vertraut) sparte man sich unglücklicherweise ein halbwegs genaues Quarzwerk für den Fall, dass das Signal einmal ausfällt.

Was uns zur Crux bringt: Das Ding (Garantie höchstwahrscheinlich abgelaufen) empfängt kein Signal mehr. Nachdem es klug ist anzunehmen, dass nicht das Signal plötzlich verlustig gegangen ist – immerhin ginge damit ein Zeitchaos im ganzen Sendebereich einher – folgert dieser Zeitenbetrachter einen Defekt des wie auch immer gearteten Empfangsteils. Anfangs schien es noch zu funktionieren wenn man ihm durch Uhraufstellen nahe Fenster nachhalf, doch inzwischen ist selbst das fruchtlos.

Was tun? Nachdem mein Budget keinen Neukauf einer hoffentlich nicht bald ebenso missgängigen Funkuhr verkraften mochte, besann ich mich auf die gute alte Zeit (was ich in letzter Zeit häufig zu tun scheine, siehe “Altmodisch”). Für kaum 4 € erwarb ich daher im Elektronikshop nicht des Vetrauens aber der Bequemlichkeit, da keine 2 Minuten Luftlinie entfernt, eine an die DB-Bahnhofsuhr gemahnende Temperatur, Luftfeuchtigkeits und Zeitmessstation. Die schluckte brav die billigsten AA Batterien aus demselben Geschäft und fing denn auch gleich an – nicht zu ticken sondern zu surren. Ein seltsam angenehmes Surren, das in keiner Weise dem nervigen Ticken meines vor Jahren ausgetauschten Prä-Funkuhr-Ära Wanduhrexemplars vergleichbar ist.

Schön, dass die Zeit jetzt wieder hörbar vor sich hin vergeht. Das nimmt die Lethargie des Statischen, die der LCD-Zeitmesser verbreitete. Womit wir wieder bei Einstein wären: Energie ist Masse mal Materie im Quadrat. Und die Energie des Geräusches wird sich vielleicht auch auf mich übertragen. Angenehm wärs, und auch naturwissenschaftlich hinterlegt.

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