Deadline

Kennedy hat es vorgemacht: Zum Mond und zurück in einem Jahrzehnt. Bumm. Zack. Einfach so. Und plötzlich haben sich alle reingehängt, immerhin ging es um die Ehre des Landes. Und für die meiste Zeit um den letzten Wunsch eines toten Präsidenten.

Heutzutage läuft das ganze etwas weniger sphärisch ab. Man trägt sich einen Termin in den Kalender ein und tut dann tage- oder wochenlang frenetisch so, als ob dieser eine moment in der Weltgeschichte Sinn und Lebensziel ist.

Und dann?

Wieder einmal ist da neulich fast unbemerkt ein ganzes Jahr an uns vorbei gezogen. ein Jahr voller Termine, großer und kleiner und naja Tage. Inzwischen stecken wir fest im 21. Jahrhundert, und die Zukunft sieht aus wie heute.

Captain Kirks Kommunikator schleift Europa (und in einem seltenen Anfall technologischer Rückwärtsgerichtetheit erst nur sehr zögerlich auch Amerika) schon seit über einer halben Dekade mehr angenervt als entzückt durch den Performatismus. Ist irgendwie nicht viertel so erregend wie als Kind das Walkie-Talkie zu quälen.

Der Trend, so kündet uns die W-LANinisierung der Kaffeepause macchiato, geht hin zur Entkabelung der Welt, und da kann man ja eigentlich nur dafür sein. Obs im großen Zusammenhang was bringt darf angezweifelt werden.

Auch das Fernsehen ist heute digital, und wenn man dem lemmingsheischend Niedrigpreise erfindenden MediaMarkt in die Verkaufsräume linst, dann auch Breitbild, hochauflösend und manchmal sogar mit besserem Programm als früher. Also, zumindest diese Delphine auf der HTDV-Vorführ-DVD waren putzig. Big Brother allerdings (Orwell ruhe in Frieden — die abgewrackte TV-Eskapade künftiger Hartz-IV-Verweigerer ist gemeint) wird auch wandgroß nicht schaubar. Im Allgemeinen reicht fürs Nichtschauen von sowas eigentlich der Billigporti von 10euros.de. Bloß nix verpassen. Deadline: Tagesthemen. Oder RTL II News. Je nach Präferenz.

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