Amerika, hast du es besser?

Der Schorsche und ich

Vorbemerkung

Jefferson, Irak den 23.09.2067

Geehrter Leser:

Ich will an dieser Stelle Zeugnis ablegen, und wahrhaft berichten von den Dingen wie sie sich zugetragen haben, damals. Die Jahre mögen dann und wann ihren Tribut fordern, alas, auch ich bin nun älter. So vergebt mir, wenn ich die eine oder andere verschwommene Erinnerung nicht akkurat erzähle; Lücken nicht allzeit zu füllen vermag.

Sei 89 auch heute kein Alter mehr, wie man mir kürzlich bei meiner halbjährlichen Lebenswertuntersuchung von Seiten des Taco Bell Memorial Krankenhauses mitteilte, so verspüre ich doch eine gewisse Trägheit des Intellekts, und die ersten Haare fallen mir auch schon aus.

Was ihr auf den folgenden Seiten lest soll euch mit Stolz erfüllen auf euer Land, euren großen Staat, den 56. der Union, und auf einen Mann, den ich liebevoll immer noch den “Schorsche” nenne. Einen Mann, der sich um die Freiheit in der Welt verdient gemacht hat; George Walker Bush, jr.

Col. a.D. Alan Hubermeier

Es begab sich an einem dieser kirschblütenumwehten Frühlingstage, an denen im washingtoneigenen D.C. die Temperaturen sich in Fahrenheit ziemlich fies anhören, aber in Celsius recht angenehm anfühlen. Da fing alles an. Im Nachhinein bezeichnen die, die alles immer aufschreiben das was da anfing wahlweise mit “Wendepunkt” oder “Amtsantritt”, seltener mit “der Tag an dem alles irgendwie anders wurde”.

Nun gut, den Chronisten mag diese, so gebe ich zu, kolloquiale Formulierung nicht passen, doch ist sie, bei meiner Ehre und meinem Herzen (Modell Duracell Longbeater TM, “das Herz das klopft und klopft und klopft,” $55.899 in führenden Apotheken und Baumärkten—Anm. d. Red) die beste die sich zu diesem Anlass findet.

Persönlich lernte ich den Schorsche also zu diesem Anlass kennen, zufällig, als junger Soldat mit Salutschussmission und in Gardeuniform. Mit besonders viel hat er mich nicht bedacht, der Mann der einst tapfer in Texas Patrouille gegen die Kommunisten geflogen ist, aber ein Handschlag vom Schorsche, das ist schon was. Da versteht man doch, warum die Sekte der Bushianer (mit Zentrale in einem schönen Farmhaus nahe Waco) ihn als Gottgeschickten anbetet.

Richtig nah stand ich dem Schorsche seit dem großen Tag. Nein, Diszipeln des amerikanischen Jahrtausends, nicht dem, an den ihr nun denkt. Es war vielmehr jener geschichtsträchtige Augenblick, als man im Repräsentantenhaus beschloss, french fries in freedom fries umzubenennen. Als Vorkämpfer auch an der linguistischen Front betrieb ich alsbald die Missionierung über eine E-Mailliste, in der ich Vorschläge für die zukünftige Amerikanisierung alles vormals franzö… äh, free-en machte.

So erhielten auf meine Ideen hin sowohl freedom champagne und freedom mustard als auch die Freedom Revolution of 1789 und der freedom kiss ihre heutigen Namen. Für eine Weile wurde sogar der Vorschlag, France in Webster’s Dictionary of American English durch Freedom zu ersetzen diskutiert. Letztlich setzte sich dies nur auf Intervention einiger Demokraten aus Mississippi nicht durch, die befürchteten, jeder Flug nach Paris würde dann zum Freedom Ride. Für eine Weile war aber der Ausspruch “I hate Freedom” unter Regierungmitgliedern geläufig und wurde oft im Westflügel des damals noch Weißen Hauses vernommen.

Doch ich schweife ab. Der Schorsche war gerade von einem ermüdenden Gipfeltreffen mit dem alten Europa heimgekehrt (für den weniger geschichtsinteressierten Leser sei vermerkt; hierbei ist jener Teil des eurasischen Kontinents gemeint, den wir seit seiner versehentlichen Zerstörung in den Upshabdenfalschenknopfgedrückt-Kriegen nach 2004 als “BRB Territory” kennen).

Nach einem Treffen mit diversen Erweckungspredigern—man munkelt, es ging dabei um eine eigentlich geplante Neuordnung des Mittleren Westens zu einem christlichen Disneyland—kam der Schorsche ganz untypisch in die Cafeteria gestürmt.

Ich, der ich mich inzwischen den Niederungen der Lobbyarbeit (Mehr Schweizer Taschenmesser für Elitesoldaten!) angenommen hatte, und gerade nach einem vielversprechenden Meeting mit einem von der Automobilindustrie gesponsorten Grünen Abgeordneten bei einer kleinen Zigarre in der Nichtrauchersektion entspannte, sah ihn etwas hilflos in der Schlange stehen. Vor und hinter dem Schorsche jeweils zwei Secret Servicer, die sich quasi in Vierkanal-Stereo nach einem obligatorischen Griff an den Ohrhörer jeweils die gleichen Dinge aufs Tablett luden.

Als das Quintett sich danach, Schorsche in Führung, einen Platz ergattern wollte, sah ich den idealen Zeitpunkt gekommen: ich würde mein Anliegen, alle Marines mit der neuesten GameBoy Generation auszustatten direkt dem Präsidenten vortragen! Dass Donny Rumsfeld mich schon zweimal mit der Begründung, er hielte es für nicht so gut wenn die Jungs Krieg nur spielen abgewiesen hatte, hab ich dem Schorsche unehrenhafterweise unterschlagen.

Der Rest ist, so möchte ich formulieren, Geschichte. Nachdem Schorsche mit Begeisterung die Mittel bereitstellte, einen GameBoy aus Japan zu ordern, sowie in den CIA Laboren zu analysieren und nach erfolgreicher Industriespionage eine Kopie (Codename “GI Boy”) herauszubringen, kamen wir auf die Lage in der Welt zu sprechen.

Zu seinem großen Erstaunen konnte ich den Präsidenten (und wieder schulde ich den weniger Bewanderten eine Erklärung; bis an den Anfang unseres Jahrhunderts war es in den Vereinigten Staaten üblich, den ersten Mann im Lande mit diesem Titel zu besehen, anstatt des heute üblichen “Magnat”, sowie in einem komplizierten System nicht durch das Oberste Gericht, sondern durch meist unqualifizierte Bürger bestimmen zu lassen) eröffnen, er sei nicht überall auf unserem Planeten beliebt, woraufhin er mir empört den Rest seines freedom strudels ins Antlitz kippte. Die Narben von der heißen Vanillesoße trage ich noch immer mit Stolz.

Seitdem habe ich ihn persönlich nicht mehr erblickt, jedoch oft seine bemerkenswerten Worte und Gesten im National-Fox-HDTV gehört und gesehen. Er errang noch viele ruhmreiche Siege an der Seite treuer Alliierter (tatsächlich waren die heutigen Bundesstaaten Old England und Hispania einmal eigenständige Nationen, bis sie sich in tiefster Verbundenheit für die Leistungen des Schorsche unserem großartigen Bunde anschlossen) gegen Weltgefahren wie Timbuktu, Jamaica, Kuwait und Mexico, und wird uns immer als der Große Cowboy der Galaxis in Erinnerung bleiben.

Ich für meinen Teil habe mich, durch den Verkauf von leicht brennbaren amerikanischen Flaggen aller Größen zu Wohlstand gekommen, auf meine alten Tage an einer historischen Stätte uralter Zivilisationen niedergelassen. Dem Ort des unvergessenen und beispielhaften ersten Erfolgs unseres weisen Magnaten. Ich lebe gerne in jener Stadt die einst Bagdad hieß, und heute zu Ehren der Jefferson Energy Co. deren Namen trägt.

George “Schorsche” W. Bush verstarb am 28. Juni des Jahres 2032 bei seinem ersten Besuch auf dem Oktoberfest in Cincinnati seit es ganzjährig abgehalten wird. Nach 2 Maß Spezi war er beim Versuch sie mit einem Mal in den Mund zu nehmen an einer Riesenbrezel erstickt. Gerüchte, es habe sich dabei um einen Anschlag feiger Terroristen aus den damals noch unabhängigen freien kanadischen Provinzen gehandelt, kann ich nicht bestätigen. Es war, so wie es unsere Geschichtsbücher verkünden, ein tragischer Unfall.

Amerika verlor einen großen Mann. Haltet sein Andenken in Ehren, und tragt Botschaft von seiner Weisheit in jeden Winkel unserer Landes. Von Alaska bis Maine, von Kuba bis Peru sollen alle Amerikaner wissen wie viel sie ihm verdanken. Dem Mann, den ich den Schorsche nenne.

Beerdigt nach innigstem Wunsche auf der eigenen Farm in Texico, steht auf seinem Grabstein folgender Epitaph:

Somewhere in Texas, a village has lost ist idiot.

Er hatte einen Sinn für Humor, den nur wenige verstanden. Aber so war er halt. Der Schorsche.

Schlussbemerkung:

Mein Vorschlag des kreativen Technologietransfers mit dem GameBoy resultierte in einen der größten Erfolge für die Federal Microsoft Corporation, als Sie 2034 mit Erfolg gegen Nintendo eine Copyrightverletzung wegen Ideendiebstahls vor einem Bundesgericht in Redmond, Washington einklagte. Dies führte letztlich dazu, dass die japanische Regierung sich freiwillig auflöste und den ehrenwerten William Gates zum Groß-Shogun deklarierte. Amerika hat mir also einen großen friedlichen Triumph, und die wichtigste Annektierung seit Australien zu verdanken.

Post navigation

%d bloggers like this: