Sitzen Sie auch gut?

Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein:


Tragik (zumindest die post-postmoderne Lifestyle-Abart davon) ist, wenn man für das Leben das man führen möchte nie genug Geld hat. Beziehungsweise für die Dinge die zu diesem Leben gehören sollten.

So schreibe ich diese Zeilen auf meinem erstaunlich langlebigen Toshiba und nicht auf einem brandaluminiumfarbenen 12-Zoll PowerBook, höre Musik mit einer zu Zivildienstzeiten erstandenen Panasonic Mini-Stereo und nicht einem Tivoli Model Two (nebenbei bemerkt: warum kostet das gute Stück eigentlich in EU mehr als doppelt soviel wie in USA?) und glänze auf Münchens Straßen mit Karstadtmode und reduzierten GAP-Artikeln — bald mit Seltenheitswert, dank H&M — statt Armani und Boss.

Das meiste davon ist selbst für einen in den 80er Jahren zivilisierten Zweckkapitalisten durchaus tragbar, einiges andere erweist sich zunehmend als wenig praktisch. Aber eines braucht jeder Mensch: seinen Platz. Meiner ist meistens im fünften Stock eines Moosacher Legobausatzgebäudes aus ästhetisch unempfindlicheren Zeiten. So gilt das für die Außenansicht, innen hat das Musterexemplar mittletztjahrhunderter “Beton-ist-schön-und-neu”-Architektur einiges für sich.

Das meiste davon wiederum entstammt den hohen Hallen skandinavischen Designs aus verschiedenen geographisch günstig gelegenen IKEA-Außenstellen. So auch mein Sessel, um den es hier eigentlich geht. Der sieht nämlich dem oben abgebildeten Aalto-Klassiker verdächtig ähnlich. Nein, das lasse ich jetzt nicht einfach für sich stehen. Es bedarf des Kommentars:

Hätte nicht Ingvar aus Sverige sein Leben dem schamlosen Kopieren nördlicher Designideen gewidmet und sie mit wohlklingenden Namen dem Pöbel zugänglich gemacht, ich wüsste nicht worauf ich meine nicht-Armani Garderobe sonst ausbreiten sollte. 875$ fürs Original hätten ein unverzeihliches Loch ins Studentenbudget gerissen, 69€ dagegen waren grad recht für den Zweck.

Somit ein Hoch auf den arg beklauten Herrn (und auch seine Frau) Aalto selig und ein Hoch auf Ingvar KEA. Wie drückte sich doch ein ebenfalls skandinavischer Nokia-Mensch zum neuen, asiatisch angehauchten Aussehen einiger rezenter Telefonmodelle aus: “Sometimes you have to copy with pride.”

Ich hätts nicht besser sagen können. Entdecke die Möglichkeiten.

%d bloggers like this: