Tote Zeiten, schlechte Zeiten

Was muss die arme Frau Jeanette B. (respektive, beim Alter von 22 und der in Fan/Medienkreisen kursierenden Bezeichnung Schnuckelchen; das “Mädchen”) noch über sich ergehen lassen?

Einfach ist es schon nicht, wenn man direkt aus GZSZ heraus zum Popstar-chen der Nation zwangsgekürt wird, wenn die deutschsprachige Welt jedes zweite hochglanzsynthetisierte Lied das man quietscht – Kritikermeinungen – zur dieswöchigen Jahreshymne kürt und trotzdem kaum eine parodistische Comedy-Sendung ohne persönliche Angriffe gegen eine auskommt. Täglich ein metaphyischer Messerstich von hinten, sozusagen. Single seit Jahren ist sie noch dazu, wie uns ein Geständnis bei Harald Schmidt kurz vor dem absoluten Sommerloch fundiert schockieren musste.

Und jetzt rockt so etwas ihr life: Morddrohungen (BILD: “Todes-Countdown im Internet”) von Sektisten mit brav zugelassenem Jagdgewehr. Den ein oder anderen mag traurig stimmen, dass letztlich nichts daraus wurde. Jeanette – Gesungen, geschlagen, geschlachtet, geradezu klassisch. Als Fernsehfilm der Woche von Haussender RTL wäre das zwei Jahre später um die Weihnachtszeit quotenbringende neue Mär gewesen.

So aber atmen wir verstört auf. Der Beweis dafür, dass in Deutschland selbst Biedermänner und -frauen Fanclubs haben können lebt weiter, und die Täter sind schon halb, also fast, also vielleicht irgendwann mal, gefasst. Auch bleibt uns der Jeanettes-musikalisches-Lebenswerk-Gedächtnis-Video-Marathon auf MTV2 erspart.

Die ansonsten recht beeindruckenden Nachrichten, dass der ewig missverständliche Herr Bush die Rodung von Wäldern zwecks Eindämmung der Waldbrandgefahr (man darf vermuten das hat mit seiner Familie Namen und Unternehmungen zu tun) vorschlägt, und dass im Morgenprogramm von Radio Gong Shania Twains “I’m Gonna Getcha Good” zum Motto des Zusammenlebens von Israelis und Palästinensern erkoren wird, gehen im Vergleich dazu regelrecht unter.

Eigentlich kein schlechter Tag.

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